Es springen nicht nur die Hirsche über die Berge - ich hoffe doch, dass es ein Hirsch auf dem Wappen sein soll -, nein es fliegen auch wieder die Lassogeier (manchmal auch ohne Lasso) am ersten Wochenende im Juni in und über der Kunstblumenstadt Sebnitz.

Und es ist ein ganz besonderer Wettbewerb in diesem Jahr. Der Kunstflug ist wieder aufgenommen in den Reigen der Fesselflugklassen ! Damit bekennt sich der Verein nach vielen Jahren Abstinenz wieder zu seiner ursprünglichen  Geschichte. Einer der leider viel zu früh verstorbenen Urväter Sebnitzer Fesselflugtraditionen - Rudolf Lachmann ( im Bild links ) - war der vielleicht bekannteste Kunstflieger der ehemaligen DDR und Inhaber von unzähligen Meistertiteln. Und immer dort wo Rudolf war, war auch Kunstflugnachwuchs anzutreffen. In Serie, wie einst die Fenster des Trägerbetriebes wurden zu seiner Zeit gemeinsam mit Fritz Kiel die Schülermodelle gefertigt und meist viel viel schneller wieder in ihre Bestandteile zerlegt. Aber es wurde Kunst geflogen in Sebnitz, bei Jung und Alt, bei den Könnern von übervorgerstern und ihren Nachfolgern.

Aber das ist leider lange her. Ich glaube, man hatte schon vergessen, das Leinen länger als 16 m sein  und mehr als 500 g tragen können. Um so erfreulicher, als es bereits im vergangen Jahr hieß, wir machen wieder Kunstflug. Aber damit nicht genug. Ich traute meinen Augen kaum, als ich in der Ausschreibung Acro-Light entdeckte ! Also war Klubausflug in Bitterfeld angesagt ! 2 Kunstflieger plus zwei Beginner sowie 3 F2D-Piloten, dazu 3 Schiedsrichter, 2 Auswerter, Helfer, Kraftfahrer - in Summe standen 15 Personen auf der Meldung. Die langfristigen Wetterprognosen waren positiv. Ein gutes Essen in Tschechien erwartete uns, Herz was wolltest Du mehr.

Sebnitz ist verglichen mit vielen anderen Wettbewerben von uns aus ein Katzensprung, rund 180 km - da machen wir sonst die erste Pause. Sebnitz war bisher der östlichste Wettbewerb in der Reihe der angebotenen Veranstaltungen. In der Zukunft wird er einer der zentralsten Austragungsplätze sein, denn Europa hat sich in diesem Jahr nachhaltig verändert. Und auch wenn man beim abendlichen Gang über die Grenze noch immer seinen Ausweis zeigen muss - bei den deutschen Behörden natürlich, die Tschechen haben sich schon früher nicht sonderlich für unsere Photos in den Pässen interessiert - wir sind zusammen gerückt in Europa ! Die Reisefreiheit, über die wir uns 1989 gefreut haben, erleben nun unsere Nachbarn uneingeschränkt und das wird auch und gerade unseren Sport beflügeln und zu interessanten Veranstaltungen in der Zukunft beitragen. Natürlich kann und darf das keine Einbahnstrasse werden. Wir haben uns in Zukunft fest vorgenommen, Wettbewerbe unserer tschechischen und polnischen Nachbarn genau so zu besuchen, wie die in Frankreich, Belgien oder der Schweiz. Deshalb in 14 Tagen der erste Bericht aus Svitavy in Tschechien.

Aber zurück zum Wettbewerb. Am Freitag hörten wir schon im Radio die veränderte Wetterprognose - Sommer erst ab Sonntag, bis dahin selbst in Ostsachsen Gefahr von nassen Füßen. Als wir am Freitag gegen 19.00 Uhr aufbauten, wollten wir es noch immer noch nicht glauben. Aber als wir gegen 20.30 Uhr gemütlich in einer tschechischen Kneipe saßen ging er los, der Regen. Ich glaube dieser Gevatter ist in der Saison 2004 unser ständiger Begleiter. Erinnerungen an Salzburg wurden wach und ließen sich nur mit Bier und Jägermeister töten.

So ging es gegen Mitternacht in die klammen Zelte und Wohnwagen, dem kommenden Tag entgegen schlummernd.

Kaum eingeschlafen weckte uns ein wohlbekanntes Brummen - kann doch nicht sein, mitten in der Nacht - die Uhr zeigte 6:10 Uhr ! Trainierende Kunstflieger ! Können die nicht zu Hause üben ! Nein - können sie höchstwahrscheinlich nicht ! Und Quartier ist bestimmt auch feucht, und frühstücken finden die bestimmt auch scheiße ! Also was soll's, stehen wir halt auf !

Eröffnung dann um 9,00 Uhr. Begrüßung und Eröffnungsreden wie gehabt. Aber dann zwei Tatsachen, über die es sich zu schreiben lohnt. In Sebnitz gibt es einen neuen Vereinsvorsitzenden. Georg Sommer hat das Amt übernommen und wir wünschen Georg in der Zukunft viel Erfolg. Und dann überreichte eine Sebnitzer Firma einen Scheck für das Team Kiel/Teterjukov für die Teilnahme an der WM in den USA. Würden sich doch mehr Firmen in Deutschland daran ein Beispiel nehmen.

Die Sebnitzer hatten natürlich die gleichen Probleme wie wir. Meldung Luxussache ! Wie groß ist immer die Freude eines jeden Veranstalters, wenn die Felder am Wettbewerbsmorgen zu wachsen beginnen. Und so konnte sich Ulli zwar über 100 Teilnehmer freuen, hatte aber zweitplanmäßig auch ein leichtes Problem !

Die Anlage präsentierte sich in gewohnt perfekter Form. Jede Klasse hatte ihre eigene Spielwiese, d.h. Kunstflugplatz war von den Fußballfreunden geborgt, die mit Argusaugen wachten, dass wir auch ja keinem Rasenhalm ein Leid zufügten. Dafür war der Rasen natürlich einfach toll und ließ Starts zu, die auf Bitumen auch nicht besser gelingen.

Allerdings braute sich über dem Flugplatz bereits kurz nach Beginn des Wettbewerbes ein kleines Wetterchen zusammen, dass sich dann am Mittag austobte - nichts ging mehr. In Minuten war alles nass und die Fuchsschwänze lösten sich ohne Zutun in Wohlgefallen auf. Da hieß es eben erstmal Mittag machen und warten. Gegen 14.00 Uhr war es dann so weit, die Wolken verzogen sich etwas und wir konnten weiter machen.

Im Kunstflug war es ein rein tschechisch - deutsches Vergleichsfliegen im allgemeinen und an der Spitze. Jiri Vejmola und Richard Kornmeier steigerten sich von Flug zu Flug. Jiri gewann mit 6.415,5 Punkten und mancher stellte schon die Frage, ob die Schiris nicht mit "11"  gewertet hätten. Das tschechische Team fliegt mittlerweile fast ausnahmslos mit MVVS Motoren 8,4 ccm und Rohr. Mit Sicherheit eine gute und preiswerte Alternative, über die man mal nachdenken und mit den tschechischen Sportfreunden in Erfahrungsaustausch treten sollte.

In der Klasse F2A gab es Rekordbeteiligung. 16 Teilnehmer wollten in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft nochmals die Zuverlässigkeit der Technik testen. Manchmal war allerdings der Wurm drin , so dass der kleine Besen für die Reste herhalten musste. Sieger hier wie schon in Bitterfeld und Salzburg Sandor Kalmar, der mit einer Konstanz besticht.

In der F2C waren 10 Mannschaften am Start, darunter die Weltmeister Bondarenko/Lerner aus der Ukraine. Letzter ließen keinen Zweifel, wer der Herr im Ring ist. Dass sie das Finale erreichen würden, daran gab es zu keiner Zeit einen Zweifel. Umkämpft nur die Plätze zwei und drei. Im Finale, an dem Fischer/Straniak AUT und Orvos/Kasoly HUN teilnahmen, kam es dann zu eine Fast-Unfall. Nach einer Leinenberührung rutschte dem ungarischen Piloten der Griff aus der Hand und schlug unmittelbar bei den Schiedsrichtern, die das österreichische Team werteten, ein. Glücklicherweise waren diese innerhalb des Zaunes nochmals durch ein Gitter gesichert, das Schlimmeres verhütete. So war nur das Modell hin ! Hier muss man Schlussfolgerungen ziehen und generell für mehr Schiedsrichtersicherheit sorgen. Auch sollte man generell über die Handfessel nachdenken. Sie stört nicht, hilft aber im Ernstfall enorm !

Die Ukrainer flogen übrigens mit 6:22,0 min einen neunen Weltrekord über 200 Runden - unseren Glückwunsch.

Und dann das Riesenfeld der F2D ! 41 Teilnehmer, darunter der amtierende Europameister Audrius Rastenis LTU, der ehemalige Weltmeister Stass Chornyy UKR und viele andere bekannte und unbekannte Kämpfer. Also hatte Thomas Dürrfeld und seine Chrew eine nicht zu beneidende Aufgabe. Dazu auch noch die oben beschriebene Regenpause ! Da ging es am Sonnabend bis zum Dunkelwerden und am Sonntag bis 17.00 Uhr, ehe der Sieger feststand. Wie zur EM in Frankreich konnte sich auch hier Audrius durchsetzen. In einem spannenden Finale, das wegen Freiflug des Modells von Boriss Yalunis LAT wiederholt werden musste, wurde Fuchsjagd vom Feinsten demonstriert. Letzteres konnte von den anderen Kämpfen nicht immer gesagt werden. Man konnte teilweise eine Uhr stellen, um das neue Schema beobachten zu können : Schnitt machen, Leinentangle - reißen - Absturz und dann brauchen wir Zeit und Zeit und Zeit zum entfitzen. Wieder in die Luft : erst das Modell und dann den Schwanz - crash bum beng - Ruhe ! Unsere osteuropäischen Freunde sehen das als ganz normal an. Natürlich, aus der Sicht der Regeln nicht zu sagen. Aber ist das noch Sport ? Ich hörte zwei Zuschauern zu : "Weißt Du, worum es hier geht ? - Nö, nicht genau, ich glaube, wer den anderen am schnellsten abgeschossen hat gewinnt ." Spricht doch Bände und sollte zu denken geben.

Last not least die Beginner. Auch hier 10 Teilnehmer, dass sollte uns Hoffnungen machen. Acro light auch in Sebnitz Trumpf. Die Leistungen der Schüler und Jugendlichen hervorragend. Hier muss man unbedingt etwas machen, damit wir diese Freunde behalten. Wir denken  an ein spezieller Trainingslager für Schüler und natürlich an mehr Wettbewerbe, denn nur sie bieten die Erfolgserlebnisse, die die Motivation für die langen Baustunden im Winter bringen.

Sonntag gegen 17.30 Uhr dann Siegerehrung. Unter Beifall der noch Anwesenden Treppenbesteigung, Urkundenübergabe und Hände schütteln und dann war auch dieser Wettbewerb schon wieder Geschichte.

Wir möchte den Sebnitzern für diesen Wettbewerb recht herzlich danken, denen, die nach außen sichtbar agierten, aber auch den vielen, die unscheinbar hinter den Kulissen für das Gelingen dieser Veranstaltung beitrugen. Also dann bis zum nächsten Jahr -

Tschüss Sebnitz !